„Die Kinderseele steckt einfach in mir“ – Interview mit der Kinderbuchautorin Brigitte Endres (WS 2012/13)

Brigitte Endres, Foto: privat

Die in Würzburg geborene Kinderbuchautorin Brigitte Endres spricht über ihr Leben, ihre Bücher und die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz erschlagen zu werden.

Von Melanie Drescher

Frau Endres, Sie leben in Kassel, aber auch in München. Welche Stadt mögen Sie lieber?
Brigitte Endres: Ich habe in München ja schon studiert und Kassel ist keine Stadt, die man gleich ins Herz schließt. Mittlerweile habe ich die Stadt zwar lieben gelernt, aber München ist immer noch mein Favorit.

Was begeistert Sie so sehr an der Kinder- und Jugendliteratur?
Bereits als Kind habe ich sehr, sehr viel gelesen. Diese Erfahrungen haben mich einfach viel mehr geprägt als all das, was ich später gelesen habe. Die Kinderseele steckt einfach in mir.

Josie aus dem Buch Das Vermächtnis der Feen ist begeisterte Leserin von Ende, Tolkien und Rowling. Haben Sie unter den Büchern Die unendliche Geschichte, Herr der Ringe und Harry Potter einen Favoriten?
Ja, mein Favorit ist Die unendliche Geschichte. Harry Potter hat mir persönlich nicht so gefallen, aber das ist ja Geschmackssache.  Ende hat eine ganz besondere Sprache und eine ganz besondere Botschaft. Es wird die Sinnfrage gestellt. Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? In Endes Erzählungen können Kinder sich mit dieser Frage auseinandersetzen. Die Figuren haben diese Liebenswürdigkeit. Auch den Bösewichten muss man verzeihen. Diese Tiefe bewegt.

„Eine Geschichte, die nicht gut ausgeht, ist eine schlechte Geschichte.“ Teilen Sie die Meinung von Josies Großmutter?
Ja. Im Kinderbuch auf jeden Fall. Es muss zumindest die Hoffnung auf ein gutes Ende bleiben. Das Leben selbst geht oft genug nicht gut aus. Für mich ist ein gutes Ende unumgänglich.

Die Amadeus-Bande ist eine Gruppe von fünf Kindern, die in einem Musikinternat lebt, aber wie Detektive mysteriöse Fälle in der Schule aufklärt. Wie kam es zu dieser Idee?
Der Schott-Verlag hat eine Krimiserie bestellt. Da Schott ein Musikverlag ist, brauchte ich einen musikalischen Background. Ich bin selbst in einem Internat gewesen. Es war auch ein Schloss und ist durchaus im Buch zu erkennen.

Woher haben Sie die Kraft zum Weitermachen genommen, obwohl die Verlage Sie zwei Jahre abgelehnt haben?
So lange Wartezeiten sind normal. Ich habe damals Verhext nochmal! verschickt und habe mir – als Neuling – natürlich gleich große Verlage gesucht. Und dann passierte gar nichts. Auf romansuche.de ist das passiert, was eigentlich nie passiert: Die Lektorin von einem großen Verlag fand zufällig mein Manuskript und hat sich an mich gewendet. Aber die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz erschlagen zu werden, ist größer.

Schreiben Sie einfach auf, was Ihnen gerade in den Sinn kommt, oder brauchen Sie einen Plot?
Wenn Sie einen großen Roman schreiben, müssen Sie vorher wissen, was passiert. Anders geht es gar nicht. Das Vermächtnis der Feen sollte ein Buch über 400 Seiten werden, war aber nach 200 plötzlich fertig. Ich habe alles weggeschmissen und von vorn begonnen. Bei kurzen Geschichten ist die Handlung viel überschaubarer und deshalb schreiben sie sich fast von selbst.

Die drei wichtigsten Eigenschaften eines guten Autors sind…
Geduld, wenn man veröffentlichen will. Und… Ausdauer im Schreibprozess. Und eine sehr gründliche Recherche ist wichtig. Grundvoraussetzungen sind natürlich Kenntnisse in Orthografie und Ausdruck und auch Kritik- und Lernfähigkeit.

Ihre liebste Jahreszeit?
Der Herbst. Ich mag den Rückzug nach Hause und durch meine Arbeit habe ich eh kaum die Möglichkeit, den Sommer draußen zu verbringen. Deshalb fällt mir das Schreiben im Herbst leichter.

Der Wecker klingelt. Sofort aufstehen oder noch ein wenig schlafen?
Ich habe und brauche keinen Wecker (lacht). Mein Mann und ich sind selbstständig, also schlafen wir aus und gehen abends erst ins Bett, wenn wir müde sind. Dafür haben wir aber auch kein Wochenende.

Und was wird Ihr nächstes Projekt?
Gestern habe ich den dritten Band von Schluri Schlampowski abgeschlossen. Gerade bin ich dabei, meine ganzen Ramschbücher aufzuarbeiten. Das sind Bücher, die nicht mehr auf dem Markt verkauft werden. Ich hole mir die Rechte zurück und möchte sie als E-Book auf Amazon veröffentlichen.

 

 


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