„Das Wichtigste ist, die Menschen zu berühren“ – Gespräch mit Michael Kreiker (WS 2013/2014)

Michael Kreiker

Michael Kreiker, Foto: Laura Weber

Von Laura Weber

Michael Kreiker, geboren 1979, ist Didgeridoospieler und Chef der Evil Flames Fire Company. Die zurzeit sechsköpfige Feuerkunstgruppe trat bereits beim ADAC Supercross und beim Biathlon auf Schalke auf. 2013 wurden die Evil Flames vom gedu-Künstlerkatalog zum „Künstler des Jahres“ gekürt.

Die Evil Flames gibt es seit dem Jahr 2000. Welche Auftritte aus den ganzen Jahren sind dir noch besonders gut in Erinnerung geblieben?
Ich bin jemand, der nicht an großen Vorzeigeprojekten hängt. Ich hänge eigentlich mehr an den kleinen Auftritten. Einer der besonderen ist für mich zum Beispiel der „Keltische Abend“ in Melsungen. Da sind vielleicht 100 oder 150 Leute, je nach Wetterlage. Aber es ist ein Event, wo die Menschen Herzblut mit reinstecken, und das ist etwas Besonderes.

Habt ihr ein Ziel vor Augen, gibt es etwas, das ihr mit euren Auftritten erreichen wollt?
Das Wichtigste ist, die Menschen zu berühren. Darum geht es eigentlich immer Natürlich ist es sinnvoll, an einem gewissen Punkt zu überlegen, wo man hin will. Will man wirklich ganz groß rauskommen, um damit Geld zu verdienen und natürlich auch, um viele Menschen zu erreichen? Oder berührt man die Menschen nicht viel mehr bei den ganz kleinen Auftritten?

Wann habt ihr beschlossen, die Evil Flames Company hauptberuflich zu betreiben?
Der Schritt kam vor knapp vier Jahren. Ein Künstler zu sein bedeutet in erster Linie, seine Berufung zu finden. Und vor knapp vier, fünf Jahren war es wirklich klar, dass der Schwerpunkt in Richtung Selbstständigkeit geht, um also ständig man selbst zu sein.

Du machst ja noch einiges nebenbei, z. B. diverse Workshops und pädagogische Projekte. Bist du auf Nebentätigkeiten angewiesen oder könntest du allein von den Auftritten der Evil Flames leben?
Ich kann mit der Selbstständigkeit im künstlerischen Bereich supergut leben. Nur im Finanziellen muss man manchmal ein bisschen schauen. Natürlich habe ich mit meinen früheren Jobs mehr verdient. Mir geht´s aber nicht darum, mehr zu verdienen, mir geht’ s darum, Menschen zu berühren oder einfach auch, einer Berufung, einer Lebensaufgabe zu folgen. Und dann muss man auch die Umstände in Kauf nehmen, die das so mit sich bringt. Ich glaube, wenn man das macht, was einem selbst gut tut und anderen Menschen gefällt, dann ist das die Hauptsache.

Gab es auch Zeiten, als du dachtest, es bringt nichts, mit der Feuerkunst weiterzumachen?
Auf jeden Fall. Ich glaube, auch jeder Künstler kommt für sich irgendwann einmal an den Punkt, an dem er für sich hinterfragen muss, was ist jetzt das Richtige? Mache ich meine Kunst um sie letztendlich gut verkaufen zu können und passe sie dann an „Kundenwünsche“ an? Oder passe ich sie an das an, was mir eigentlich am Herzen liegt und was ich eigentlich möchte? Gerade, wenn man „groß rauskommt“, muss man  überlegen, ob man sich treu bleibt oder sich auch so ein bisschen verbiegen lässt, so dass es sich besser verkauft.

Hast du Tipps für andere, die auch gerne ihr Hobby zum Beruf machen wollen?
Man muss auf sein Herz hören. Ich glaube, der Verstand steht einem gerade bei eigenen Entscheidungen oftmals im Weg. Man denkt ganz oft, dass etwas nicht geht oder dass man es nicht kann. Aber es funktioniert. Jedoch nur, wenn man sagt: „Ich mache es jetzt.“ Und dazu muss man ständig über seinen eigenen Schatten springen.

Auf eurer Homepage heißt es: „Bei den Evil Flames gibt es kein 08/15“ – was macht euch zu etwas Besonderem, was unterscheidet euch von anderen Acts?
Das Spannende ist: Wir versuchen das zu machen, was wir sind. Und damit die Menschen zu berühren, für die es gerade richtig ist.

Du spielst ja auch Didgeridoo. Wie bist du darauf gestoßen?
Auf einer Motorradmesse. Da gab es einen Australien-Stand und tatsächlich auch ein Didgeridoo. Ich habe darauf gespielt und es kam sogar ein Ton heraus. Das war eine Sache, an der ich dranbleiben wollte. So mit 18 oder 20 Jahren habe ich mich nicht als musikalischen Menschen gesehen. Das Didgeridoo hat mich dazu gebracht, wirklich selber aus mir herauszugehen. Es hat meine künstlerische Arbeit überhaupt erst initiiert und ist für mich daher ein ganz besonderes Instrument.

Warst du mal in Australien?
Nee, war ich nicht. Ich hab mich natürlich viel mit Australien beschäftigt. Aber ich spiele kein traditionelles Didgeridoo, wie es bei den Aborigines gespielt wird. Ich habe eher eine sehr moderne Art, darauf zu spielen. Ich spiele auch ganz viel mit Plastik-Didgeridoos oder nehme auch mal ein Abflussrohr zur Hand. Dadurch entstehen ähnliche Töne und für mich genauso spannende Schwingungen.

www.evil-flames.org

www.krea-mondo.de

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