„Die Montesas”- Rock’n’roll aus Kassel. Marcel Bontempi über seine Band (SoSe 2014)

Maslennykova_Die Montesas

Foto: Olena Maslennykova

An einem regnerischen Nachmittag treffe ich mich in einem Café mit Marcel Bontempi (42 Jahre alt), Gründer der Retroband „Die Montesas“. Locker und freundlich redet er über die Geschichte und seine Musik.

Bei welcher Gelegenheit hattest du den Gedanken, eine Musikband zu gründen?
Als ich nach Kassel kam, um Kunst zu studieren, habe ich gleich nach Leuten geschaut, mit denen ich eine Band gründen könnte. Ich habe viele verschiedene Projekte verfolgt; bis ich irgendwann gemerkt habe, dass das alles halbe Sachen waren. Ich habe mir gesagt: „Ich höre jetzt auf. Schluss mit dem ganzen Scheiß. Ich suche nach guten neuen Musikern und mache eine Band ‑ aber die mach ich richtig“. Und das waren dann „Die Montesas“.

Hast du keine Musikausbildung gemacht?
Überhaupt nicht. Ich kann keine Noten.

 Hattest du ein Vorbild?
Uff – jetzt fragst du was, so ein richtiges Vorbild, dem ich total nachgeeifert habe, gab es eigentlich nicht. Am Anfang Elvis vielleicht. Es gibt viele Musiker, die ich schätze und toll finde, aber ich habe nie wirklich ein Idol gehabt. Es war nur die Musik, aber nicht eine Person.

Wie habt ihr euch als Mitglieder gefunden?
Damals, vor 16 Jahren, war ich jung, ich war Student in Kassel, und ich bin immer ausgegangen. Ich war damals in der „Mutter“ und in der „Lolita Bar“ und da waren alle Leute, die so eine Art von Musik interessiert. Ich kannte jeden, der infrage gekommen wäre. Das klingt jetzt natürlich einfach, aber das war schwierig.

Okay und wie kamst du dann auf den Namen? Hat es etwas mit dem spanischen Wort zu tun?
Genau! Also ich habe rausgefunden, dass das auch „wild“ heißt. Das Ding ist, ich bin halber Katalane und ich lebte in Barcelona, als ich klein war. Mein Onkel hat eine Montesa gefahren und das fand ich sehr schick. Das ist nämlich ein Motorrad. Als wir dann einen Namen suchten, meinte meine Freundin: „Mensch, dann nennt euch doch „Montesas“. Ich finde es im Prinzip doof, den Namen zu haben, der schon aussagt wie du sein musst. Aber niemand weiß, was Montesas bedeutet.

Tretet ihr noch auf?
Mit der Zeit hat sich alles geändert. Ganz am Anfang haben wir überall in Deutschland, in jedem kleinen Club gespielt. Das war quasi die Aufbauphase, wo wir uns zeigen wollten. Heute ist da so ein bisschen, sag ich mal, die Luft raus, nicht in negativem Sinne, aber die heiße Phase ist vorbei. Man kennt uns, wir haben gute Angebote. Wir spielen nicht mehr so super oft und nicht die gleichen Konzerte wie vor zehn Jahren.  Aber ich habe ja auch einen Beruf.

Was machst du?
Ich bin freier Grafiker. Das Tolle ist, das verbindet sich total gut mit der Musik. Über die Band kenne ich ganz viele Veranstalter, die natürlich Flyer und Plakate brauchen und denen kann ich Designs dafür verkaufen.

Was macht „Die Montesas“ so besonders?
Ich hatte ein Band-Konzept im Kopf. Es gibt ja diese drei Szenen, zu denen wir uns zählen. Das ist einerseits die Rock´n´Roll-Szene und die Beat-, Sixties-, Soul-Szene und dann ist da noch die Ska-Szene. Ich liebe das alles. Mir war klar: Wenn ich die Band mache, will ich etwas, das alles umfasst und cool ist. Wir haben auch immer darauf geachtet, dass wir schicke Uniform haben. Es war für mich ganz wichtig, dass egal wo wir uns präsentieren, wir das authentisch und schick machen. Das fand ich spektakulär. Jetzt gibt es andere Bands, die sich ein bisschen an uns orientieren. Aber wir können uns wirklich auf die Fahne schreiben, dass wir die ersten waren, die es geschafft haben, auf großen Rockabilly- und Sixties-Festivals zu spielen.

Wenn du jetzt auf die Jahre zurückschaust, was würdest du ändern, wenn du könntest?
Wenn ich jetzt noch mal zwanzig wäre, dann würde ich jetzt mit den „Montesas“ anfangen (lächelt). Ich habe die Band mit 28 gegründet, was spät ist.

Willst du etwas mit deinen Songs ausdrücken?
Nichts. Das ist pure Tanzmusik. Da geht’s um Liebe und so ein Quatsch. Ich möchte nicht die Welt verändern. Das ist Musik und keine Politik. Die soll Spaß machen.

Hattet ihr peinliche Situationen auf den Konzerten?
Natürlich! Na klar, Tausende

Erzähl mir etwas
(Denkt nach) Als wir mal in Paris gespielt haben, war da eine Frau vor der Bühne und die wollte sehr sexy sein. Sie war anscheinend auch betrunken oder hat irgendwelche Drogen genommen. Sie hat mein Gitarrenkabel genommen und hat mich so sexy zu ihr gezogen. Komplett absurder Quatsch und sie hat immer noch nicht losgelassen. Die Leute fanden es unglaublich: „Bitte lass ihn doch weiterspielen“.

Hängt eure Stimmung davon ab, wie viele Leute auf dem Konzert sind?
Wir machen immer Spaß auf der Bühne, sogar wenn wir merken, dass das Publikum schwergängig ist oder nicht so viele Leute kommen. Einmal haben wir auf einem Festival in Frankreich gespielt, das war großartig. Die Halle voller Leute. Auf dem Rückweg haben wir in Holland gespielt. Es war ein ganz komischer Veranstalter, von dem ich nie zuvor und niemals danach etwas gehört habe. Es war niemand gekommen. Also null Leute. Es war ein Restaurant oder eine Bar. Vielleicht waren dort zufällig zwei Personen. Wir haben eine Fixgage bekommen. Klar, wir wollten spielen. Wir hatten großen Spaß gehabt. Das war tatsächlich eins unserer besten Konzerte, großartig! Schade, dass niemand da war.

Vielen Dank für das Gespräch!

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