„Die wahren Schätze des Museums sind die Mitarbeiter!“ – Interview mit Prof. Dr. Reiner Sörries, Leiter des Sepulkralmuseums

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Foto: Raphael Wieloch

Von Raphael Wieloch

Ich treffe Prof. Dr. Sörries (Jhg. 1952) quasi in seinem „Wohnzimmer“, im Museum für Sepulkralkultur in Kassel. Der Theologe,  der das Museum seit 1992 leitet, beschäftigt sich bereits Jahrzehnte lang mit einer im Allgemeinen eher unangenehmen Thematik: dem Tod. Im Gespräch redet der 61-Jährige über das Sepulkralmuseum, seine persönliche Sicht auf den Tod und seine Zukunftspläne.

Prof. Dr. Sörries, haben Sie persönlich Angst vor dem Tod?
Das weiß ich nicht. Ich habe mir diese Frage aber schon unzählige Male gestellt. Ich denke, der Alltag bietet viel zu wenig Zeit, um sich darüber wirklich Gedanken machen zu können. Ich mache mir viel eher Sorgen darüber, dass man selbst einen geliebten Mensch verlieren könnte. Der eigene Tod beschäftigt mich nicht so sehr, wie der mögliche Verlust eines Menschen aus meinem Umfeld. Das macht mir persönlich Angst.

In einem Interview sagten sie: „Wenn man über den Tod nachdenkt, lernt man viel über das Leben“. Könnten sie das näher erläutern?
Das ist eine Binsenweisheit. Der Tod ist das Gegenteil vom Leben. Er steht für die Begrenztheit des Lebens und die Endlichkeit. Ich persönlich denke, dass gerade unsere begrenzte Zeit auf der Erde, das Leben erst so kostbar macht. Wenn man darüber nachdenkt, dass der Tod das Ende eines Lebens bedeutet, so sollte man sorgsam mit seiner Zeit umgehen und so viele Wünsche und Ziele wie möglich realisieren.

Seit über 20 Jahren leiten sie nun das Museum für Sepulkralkultur. Wenn sie heute Bilanz ziehen müssten, wie würde diese ausfallen?
Wir veranstalten bei uns im Museum mittlerweile Kindergeburtstage, das sagt doch alles aus (grinst). Vor ein paar Jahren trat sogar ein Punk-Band aus Kassel in unserem Museum auf. Ich denke, wir haben es gut umgesetzt, das Museum für viele Besucher interessant und zugänglich zu gestalten.

Das Museum beschäftigt sich vor allem mit dem Umgang mit dem Tod und die verschiedenen Bestattungsformen. Was fasziniert sie daran so sehr?
Kulturgeschichte hat mich schon immer interessiert. Was mich wirklich fasziniert, ist die Tatsache, dass ich einen epochalen Umbruch miterleben darf. Die Bestattungssitten werden immer individueller und ausgeprägter. Die Glaubens- und Lebenseinstellungen haben sich dem modernen Menschen von heute teilweise angepasst.  Es gibt zahlreiche Arten des Bestattens, beispielsweise eine Diamantbestattung. Dabei wird ein Teil der Asche in einen Diamanten gepresst. Das ist eine Art moderner Glaube.

Was macht das Museum aus ihrer Sicht so besonders?
Wir sind keinesfalls erstklassig ausgestattet. Die wahren Schätze des Museums sind die Mitarbeiter. Mit der Kommunikationsfähigkeit, dem Einsatz und dem hohen Maß an Engagement bei der Gestaltung  der Führungen und Ausstellungen, bin ich mehr als zufrieden. Da habe ich äußerst tatkräftige Mitarbeiter an meiner Seite. Wir möchten unsere Veranstaltungen so belebend wie möglich gestalten und ich denke, dass es uns zum größten Teil gelingt.

Momentan kann man bei Ihnen im Museum die Ausstellung „Afghanistan – Fotografien von Jens Umbach“ sehen (bis 27.07.2014). Können sie unseren Lesern einen kleinen Vorgeschmack auf diese Ausstellung geben?
Bei dieser Ausstellung sieht man vor Allem Menschen. Zivilisten mit Prothesen. Angehörige der Soldaten. Menschen, denen der Krieg ins Gesicht geschrieben steht. Wir Außenstehende nehmen diesen Krieg nicht richtig wahr. Die Menschen dort sind aber ständig mit dem Tod konfrontiert. Die Fotografien zeigen die Menschen, die unmittelbar dabei sind.

Gibt es eine Ausstellung an die sie sich am liebsten zurück erinnern?
„Game over“ im Jahr 2002 war eine sehr gelungene Ausstellung. Sie handelte von der Rolle des Todes im Spiel. Oder „Last minute“, eine Ausstellung, in der wir sehr nah am Thema Tod waren. So nah wie noch nie. Unter anderem waren Seelsorger und Bestatter zu Gast und erzählten von ihren Erfahrungen.

Wie würden Sie sich bestatten lassen?
Das interessiert mich gar nicht. Das überlasse ich ganz meinen Angehörigen. Es gibt für mich in diesem Bereich keine favorisierte Form. Ich denke, für die Hinterbliebenen ist diese Entscheidung Teil des Prozesses, den Verlust eines Menschen zu verarbeiten.

Abschließend habe ich noch eine Frage. Wie lange bleiben sie dem Sepulkralmuseum noch erhalten?
Die Frage beantworte ich nicht (grinst). Nun ja, ich habe auf jeden Fall noch etwas vor. Ich möchte das Museum noch auf den neuesten Stand bringen. Sowohl im technischen Bereich als auch in der Instandhaltung des Museums und dessen Räumlichkeiten gibt es noch einiges zu tun. Wenn ich das alles geschafft habe, kann ich ruhigen Gewissens gehen.

Vielen Dank für das Gespräch.

www.sepulkralmuseum.de

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