„Ich führte eine der letzten Ich-AGs um Erfolg“
Gespräch mit Dirk Schneider von „98 Records“

Foto: Lisa-Marie Fischer

Von Lisa-Marie Fischer

Dirk Schneider (geb. 1972) ist Eigentümer und Gründer der Firma „98 Records“ in Kassel. Diese startete er 2006 als Einzelhändler im Bereich Musik. Nach massivem Ertragsrückgang korrigierte er sein Firmenkonzept und veranstaltet  erfolgreich Partys und Konzerte in Kassel und Umgebung. In einem Interview berichtet er über seinen Werdegang und von Erlebnissen aus seiner Tätigkeit.

Was machst du beruflich?
Ich bin tätig im Bereich Eventorganisation, sowie Eventgestaltung und Eventplanung, leiste also die ganze Vorarbeit, die es braucht, um ein Event zu ermöglichen und zu gestalten. Ich bin für den Aufbau, die Durchführung und den Abbau bei Konzerten und Konzertveranstaltungen zuständig. Zudem bin ich Einzelhändler im Bereich Musik und Merchandise, was ursprünglich der Kern meiner Geschäftsidee war. Bei mir gibt es Vinyl, CDs, Patches, T-Shirts und alles, was das Fan-Herz begehrt. Ich bin DJ und lege in diversen Clubs unterschiedliche Musikrichtungen auf. Außerdem bin ich seit über 20 Jahren Musiker und aktuell mit einem neuen Bandprojekt namens „ChaosPath“ am Start. Wir werden demnächst endlich mit der neuen Band live spielen. In meiner Freizeit bin ich seit mittlerweile 17 Jahren Radiomoderator.

Du arbeitest beim Freien Radio Kassel. Was genau sind dort deine Aufgaben?
Hier mache ich seit dem Jahr 2000 die Rock- und Metalsendung „Welcome to Hell“, die aktuell immer Sonntagabend zwischen 22 und 24 Uhr läuft. Ich bin neben meiner eigenen Sendung hin und wieder für meinen Programmchef auf Kabarett- und Comedy-Veranstaltungen unterwegs. Dort verfasse ich Reviews und führe Interviews mit den Künstlern.

Wie bist du zu deinem Job gekommen?
Ich interessiere mich schon seit 1986 für „härtere“ Musik, habe in den 90er Jahren in Bands gespielt und generell immer schon ein Faible für Musik gehabt.
Nach dem Abitur und meinem vorzeitig abgebrochenem Studium überlegte ich, wie es beruflich weitergeht und kam zu dem Entschluss, mich selbstständig zu machen. Ich wurde eine der letzten Ich-AGs mit meiner Firma „98 Records“. Die ersten Jahre war der Verkauf von Merchandise noch der Schwerpunkt. Jetzt veranstalte ich mehr Konzerte. Aktuell organisiere ich verschiedene Events an unterschiedlichen Standorten, zum Beispiel im „A.R.M.“, in der „Goldgrube“, im „Fiasko“ oder im „K19“. Ich kann sagen, dass mir mein Job Spaß macht, ich bin mein eigener Chef. Es war die richtige Entscheidung, mich selbstständig zu machen. Ich habe genau die Freiheit, die ich brauche, um kreativ zu sein und meine Ideen zu verwirklichen. Dabei sollte man sich die berufliche Selbstständigkeit nicht ganz so einfach vorstellen, denn es gehört definitiv auch eine gehörige Portion Mut und Selbstkontrolle dazu, für die eigenen Visionen Tag für Tag zu kämpfen und sie umzusetzen. Besonders als Veranstalter muss man am Puls der Zeit bleiben, da man sonst schnell den Anschluss verpasst. Alles in Allem habe ich kein Problem, mich zu motivieren, weil es das ist, was ich machen will.

Was gefällt dir besonders an deinem Job?
1995 habe ich mein erstes Konzert in Hann. Münden veranstaltet. Dort waren unter anderem Bands aus Finnland und Tschechien zu Gast. Es gefiel mir, dass durch ein solches Event die Möglichkeit bestand, sich mit fremden Leuten auszutauschen. Musik ist für mich eine universelle Sprache, die über Sprachbarrieren hinausgeht. Ich hatte schon mit Bands aus Skandinavien, den Vereinigten Staaten oder zuletzt aus Israel zu tun. Das waren sehr nette Leute und das ist eine schöne Seite des Jobs. Zum Glück sind die meisten Künstler, die man im Underground kennenlernt, sehr nette, talentierte und dankbare Menschen aus völlig unterschiedlichen Musikrichtungen, mit denen über die Jahre auch Freundschaften entstanden sind. Und dann wird man zum Beispiel auch mal in die USA von der Band „Night Demon“ zu ihrem in Ventura stattfindenden Festival eingeladen, was mir 2016 passiert ist.
Natürlich ist es ebenfalls wichtig mit der Musik Geld zu verdienen, denn irgendwie muss man überleben und das tägliche Brot sichern. Ich mag diesen Job vor allem, weil mir die Arbeit mit den Leuten Freude bereitet und ich veranstalte gerne Events. Ich gebe Menschen gern die Möglichkeit, zu guter Musik auf Partys oder Konzerten Spaß zu haben.

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