„Jung, kreativ, chaotisch!“ – Interview mit Jos vom Tokonoma-Kollektiv (SoSe 2014)

Schmidt_Tokonoma800Von Lisa- Maria Schmidt

Das Tokonoma bezeichnet sich selbst als „Plattform für Junge Kunst und Clubkultur“ und veranstaltet regelmäßig Vorträge, Ausstellungen und Clubnächte. Seit 2012, mit der documenta 13, befindet sich das Tokonoma in einem ehemaligen Kosmetikstudio in der Kasseler Südstadt. Das Tokonoma-Kollektiv besteht aus 11 Mitgliedern. Mit Jos, geboren 1986 und Produktdesignstudent der Kunsthochschule Kassel, traf ich mich im Garten des Tokonoma zum Interview. Jos selbst ist Mitglied seit Ende 2011/ Anfang 2012 und war somit ab der Programmplanung für die documenta dabei.

Die meisten Veranstaltungsorte, die extra für die documenta ausgerichtet sind, verschwinden mit dem Ende der documenta. Warum besteht das Tokonoma heute noch?
Ursprünglich war es tatsächlich nur für die d13 konzipiert, das heißt mit einem dreimonatigen Programm zur documenta. Das Programm beinhaltete die Dienstagsveranstaltungen und die Partys. Irgendwann zum Ende der documenta, empfanden wir es als schade, wenn wir mit der documenta verschwinden würden, da wir so viel Zeit und Energie in das Projekt gesteckt haben. Dann haben wir neu mit dem Vermieter verhandelt und beschlossen, dass wir es weiter versuchen.

Was hat sich seit dem Ende der documenta verändert?
An den Dienstagsveranstaltungen haben wir festgehalten. Wir haben aber eine Sommerpause eingeschoben, damit jeder runterkommen kann (lacht), obwohl das nicht so richtig klappt, weil man schon das Programm für das nächste Jahr plant. Dann haben wir versucht, die Dienstage zu strukturieren und unsere Planung zu optimieren. Zudem haben wir noch weitere Formate neben „Warum nicht!“ entwickelt und ins Leben gerufen. Bei dem Format „Hörverstehen“ laden wir DJs ein, die über Musik erzählen oder auch zum Teil ihre Lieblingsmusik vorstellen.

Nach nur zwei Jahren einen Preis zu bekommen, den Hessischen Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre. Das ist schon eine sehr ungewöhnliche Leistung. Was bedeutet das für euch?
(Überlegt) Wenn man viel Energie in die Sachen steckt, die man tut und alles mit Herzblut macht: Wenn das gewürdigt wird, ist das schon ein gutes Gefühl. Vielleicht war aber auch die Konkurrenz nicht so groß (lacht), man weiß es nicht. Den Preis haben wir für unsere Vortragsreihe „Warum Nicht!“, für unser Programm und das Engagement, sich für das Tokonoma einzusetzen, bekommen.

Nach welchem Konzept wählt ihr eure Künstler aus, die ihr ausstellt?
Bei „Warum nicht!“ ist es die Idee, Personen einzuladen, die nicht unbedingt einen stringenten Lebenslauf haben und die Dinge gemacht haben, wo man nicht unbedingt erwartet, dass sie davon leben können. Im März und April diesen Jahres haben wir zum Beispiel Simon Clement, sowie Markus Bader eingeladen. Wir wollen zeigen, dass man es schafft sich zu positionieren, wenn man genug Energie reinsteckt. Meist sind es Leute, die aus dem kreativen Bereich kommen, was uns auch wichtig ist, da es meist während des Studiums so ist, dass man nicht so recht weiß, was danach kommt.

Fördert ihr Künstler aus Kassel oder auch überregionale Künstler?
Im Prinzip achten wir nicht darauf, ob der Künstler nun aus Kassel kommt oder nicht, wenn wir Sachen interessant finden, stellen wir sie aus.

Auf eurer Homepage schreibt ihr, dass über zeitgenössische Themen diskutiert wird. Begrenzen sich diese Themen nur auf den Bereich Kunst und Kultur?
Es können auch politische oder gesellschaftliche Themen sein, aber das haben wir relativ wenig. Am meisten sind es Themen aus der Kunst- und Kreativwirtschaft.

Wollt ihr demnach nur ein Publikum erreichen, das sich im Bereich Kunst und Kultur auskennt?
Nein, natürlich können alle kommen, die interessiert sind. Intern freuen wir uns immer, wenn Leute kommen, die wir noch nicht gesehen haben. Aber ja, die meisten Leute sind tatsächlich aus der Kunsthochschule.

Was war dein schönster Moment hier im Tokonoma?
Es ist schön, wenn man mit den Leuten, die man einlädt, egal ob DJ oder Vortragender, entweder vor oder nach dem Auftritt, an der Bar steht und einfach quatscht. Und die Künstler mit den Gästen einfach reden, diskutieren, was trinken. Einfach diese lockere „Alle-sind-zusammen-stehen-rum-und-trinken-was-Atmosphäre“. Das ist immer schön, weil alle happy sind. Es gibt natürlich noch viel mehr schöne Dinge, sonst würde man das ja gar nicht machen, da es arbeits- und zeitintensiv ist.

(René, ebenfalls Mitglied im Tokonoma Kollektiv, kommt vorbei und Jos fragt ihn nach seinem schönsten Momenten)
René: Ich glaube, wenn die Veranstaltung am Dienstag zu Ende ist und man einfach nur so an der Bar hockt. Weil das die Momente sind, wo man selbst ein bisschen abschalten kann und alles entspannter ist.
Jos: (lacht) Hast du mir etwa gerade zugehört?

Ganz spontan, beschreibt das Tokonoma in drei Worten!
René: Jung, kreativ, chaotisch!
Jos (überlegt lange: Schön, macht Spaß!

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