Wenn Mode alleine zu langweilig wird – Gespräch mit Evelyn Schönwald, Leitende Kostümbildnerin am Staatstheater Kassel (WS2012/13)

Evelyn Schönwald wurde in in Kostanz geboren und wuchs dort auf. Nach ihrem Abitur hat sie sich in die große Welt der Mode gestürzt. Es  begann mit einer Schneiderlehre und ging mit einem Mode- und Schnittdesignstudium in Düsseldorf weiter. Nach der Beendigung des Studiums und der Assistenzzeit arbeitete sie unter anderem in Stuttgart, Wuppertal, Heidelberg und München. Seit 2005 ist sie Leitende Kostümbildnerin am Staatstheater Kassel. 

Von Maike Reinhard.

Bitte beschreiben Sie sich selbst.
Evelyn Schönwald: Ich bin ein gelassener Mensch und kann mit Problemen gut und schnell umgehen, was durch den stressigen Alltag im Theater sehr wichtig ist. Außerdem bin ich tendenziell optimistisch, offen und liebe Kunst (lacht).

Welche positiven und negativen Eigenschaften zeichnen Sie aus?
Positiv ist, dass ich in der heutigen Zeit in Kultur und Theater immer Möglichkeiten sehe etwas umzusetzen und erfüllbar zu machen, da es aus finanzieller Sicht oft sehr schwer ist. Manchmal bin ich ungeduldig, das ist meine negative Eigenschaft.

Wie kam es dazu, dass Sie Modedesign studiert haben und warum gerade in Düsseldorf?
Zu der damaligen Zeit gab es nur drei Orte, an denen dies möglich war. Das waren Hamburg, München und Düsseldorf. Diese Flut an Möglichkeiten in dem Bereich wie heute, gab es damals nicht und darum war es Düsseldorf. Das hatte auch private Gründe, da ich jemanden kannte, der dort an der Uni war. Zudem hat die Stadt mich am meisten gereizt. Außerdem wollte man weg von zu Hause (lacht).

War es schon immer ihr Wunsch, Kostümbildnerin zu werden oder wollten Sie eine andere Richtung einschlagen?
Zuerst war meine Absicht, in die Mode zu gehen, darum habe ich auch in diesem Bereich studiert. Das fand ich dann schnell langweilig, weil mir bewusst wurde, dass es nicht viele Möglichkeiten in Deutschland gab. Außerdem wurde vieles ausgelagert und dann fand ich Theater spannender, da man durch die Stücke, mit denen man arbeitet auch lernt mit Texten umzugehen.

 Was sind genau ihre Aufgaben am Staatstheater?
Ich leite die gesamte Kostümabteilung, dass heißt die Herren- und Damenschneiderei für Oper, Schauspiel und Tanz. Auch die finanzielle und künstlerische Eignung liegt in meiner Hand. Künstlerisch in dem Sinne, wie die Dinge umgesetzt werden. Wenn ich die Zeit habe, entwerfe ich auch noch die Kostüme selber.

Nach welchen Kriterien haben Sie ihre Arbeitsplätze ausgesucht?
Das sind alles Zufälle. Es gibt nicht in jeder Stadt ein Theater. Es hat damit zu tun, was zu dem Zeitpunkt passiert, wenn man gekündigt hat

Woher nehmen Sie die Inspiration für ihre Kostüme?
Aus der Kunst, Modebüchern, aus historischen- und Kostümbüchern, der verschiedenen Epochen. Heute nimmt man sie auch mal aus Videoclips. Manchmal haben diese auch interessante Sachen zu bieten.

Wie lange braucht man von der Zeichnung des Entwurfs bis zu Fertigstellung eines Kostüms?
Der Entwurf geht relativ schnell, da man sich vorher mit dem Thema und dem Stück beschäftigt hat. Es folgen viele Gespräche mit dem Regisseur, da die Kostüme zu seiner Inszenierung passen müssen. Dann ist es auch unterschiedlich, ob es ein aufwendiges historisches Kostüm ist. Das kann bis zu zwei Wochen dauern. Ist es ein kleines einfacheres Kleid, geht es schneller. Bei einem großen Barockkostüm bespricht man erstmal mit den Gewandmeistern die Schnitte, die für jeden Solisten, Sänger und Schauspieler nach Maß angefertigt werden. Nebenbei werden die Stoffe parallel gesucht, da man auch eine bestimmte Vorstellung von dem Ergebnis hat. Nicht immer gibt es jeden Stoff, da die Auswahl begrenzt ist. Die Kostüme werden in der Werkstatt zugeschnitten. Danach folgen die Anproben und das Kostüm ist nach letzten kleinen Änderungen fertig.

Wie viel kostet so ein historisches Kleid?
Die sind sehr teuer. So ein Kleid wird schon mehrere Tausend Euro kosten. Vom Material her ist natürlich ein großes Kleid mit Unterbauten auch schnell bei 600 bis 700 Euro. Aus dem Grund werden viele Kostüme dieser Art nicht mehr angefertigt, da man den Etat nicht hat.

 Gibt es ein Kostüm, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Ich habe eine Kostümausstattung für Die Kameliendame  gemacht, die wir mit La Traviata gekoppelt haben. Das war eine sehr schöne Produktion. Die Kostüme waren modern, aber sehr historisch angehaucht. Es waren sehr außergewöhnliche Kostüme. Das ist mir noch in Erinnerung geblieben. Einmal haben wir eine wunderbare Revue in Wuppertal gemacht, Bugsy Malone. Diese haben wir mit 100 Kindern und Jugendlichen, die zwischen sieben und dreizehn Jahren waren, erarbeitet. Die ganzen Kostüme wurden im Stil der 20er Jahre gearbeitet und genäht. Das sah nachher ungewöhnlich aus und war etwas ganz Besonderes.

Haben Sie jemals den Wunsch nach Veränderung verspürt?
Eigentlich nicht und falls doch, habe ich mich verändert. Gerade in den jungen Jahren. Heute habe ich das seltener. Als ich damals in Stuttgart war, bin ich nach sechs Jahren gegangen. Irgendwann hat sich so was auch erschöpft. Wenn manchmal ein Intendantenwechsel war oder ein ganzes Team wechselte, benutzt man das, um auch mal den Ort zu wechseln und etwas Neues zu sehen. Das bringt wieder neue Inspiration und man lernt immer neue und interessante Menschen kennen.

Wenn Sie ihr ganzes Leben betrachten, würden Sie alles nochmal genauso machen oder jetzt noch etwas verändern?
Also generell würde ich den Weg fast genauso wieder einschlagen. Ich finde es ist ein sehr schöner Beruf. Das Einzige das mich jetzt noch mal reizen würde, wäre Landschaftsgestaltung. Das wusste ich früher aber auch nicht.

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