„Wichtig ist doch, dass man immer das macht, was man wirklich gut kann!“ – Gespräch mit Michael Fajgl vom Tic (WS 2012/13)

MichaelFajgel

Foto: TIC

Der Sänger und Schauspieler Michael Fajgel wurde in Hannover geboren. Sein Talent stellt er bevorzugt in Musicals unter Beweis. Im Mai 2003 eröffnete Fajgel das beliebte Musicaltheater Theater im Centrum (kurz: tic) in der Nähe des Kasseler Kulturbahnhofs und leitet es seitdem erfolgreich. Ich treffe mich mit ihm im Tic auf eine Tasse Kaffee, wobei er mir kurzerhand das „Du“ anbietet.

Von Janina Müller

Wie waren die Anfänge des Tic für dich? War es schwer, sich einen Namen zu machen?
Es war natürlich ein relativ hohes Risiko, als wir angefangen haben. Viele Leute haben mir davon abgeraten und meinten, in der jetzigen Zeit etwas in Richtung Kunst und Theater aufzuziehen, würde schwierig werden. Aber ich habe mich nicht davon abhalten lassen. Wichtig ist doch, dass man immer das macht, was man wirklich gut kann!
Das erste Stück lief ganz gut an, natürlich weil die Leute erstmal gucken wollten: Was ist das? Was ist da los? Und dann wurden wir mit dem nächsten Stück wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Da hatten wir teilweise nur zehn bis 17 Besucher oder mussten ganz absagen. Aber ab dem vierten Jahr hat sich das Ganze dann getragen.

Woher kam die Idee, in deinem Theater bekannte Musicals neu zu inszenieren?
Das kommt daher, dass ich auch seit 1986 selber in Musicals gespielt habe. Mir war klar, dass es irgendwann mal funktionieren würde, da es hier in Kassel kein so ein großes Angebot gibt. Wir haben viele eigene Stücke geschrieben, z. B. Lonely Hartz Club, ein Stück, das auf dem Arbeitsamt spielte als Hartz IV eingeführt wurde. Aber dann gibt’s so viele schöne Filme wie Sister Act, die man benutzen und umschreiben kann und das funktioniert. Also haben wir uns da teilweise ein bisschen bedient.

War es schon als Kind immer dein Traum, Schauspieler und Sänger zu werden?
Also Sänger wollte ich gerne werden, wie man so als Kind eben ist… Man probt vor dem Spiegel, singt in der Klasse oder vor der Schule und dann mit 16 habe ich angefangen in Bands zu spielen. Mit den Bands hätte ich wahrscheinlich heute noch keine Mark verdient und so kam ich zum Musical, wo ich beides, das Schauspielern und das Singen, verbinden konnte. Also habe ich bei Jesus Christ Superstar vorgesungen.

Hast du Gesang und Schauspiel studiert?
Ich hatte viele Jahre Gesangsunterricht, dann bin ich auf eine Tanzschule gegangen und habe auch privaten Schauspielunterricht genommen. Auf einer richtigen Schauspielschule war ich aber nie. Dafür war ich dann auch schon zu alt.

Spielst du auch ein Musikinstrument?
Ich habe viele Jahre Schlagzeug gespielt. Ich spiele ein bisschen Gitarre und Klavier kann ich ein bisschen mit Noten, aber nicht so gut. Wir könnten uns jetzt ans Lagerfeuer setzen und ich könnte dir was vorsingen – dafür würde es noch reichen (grinst).

Welchen Musical-Star würdest du am liebsten einmal als Stargast in das Tic einladen?
Mhhh. Ich denke Gene Kelly, aber der ist leider schon tot.

Was ist deine größte Angst als Schauspieler?
Eine davon ist sogar schon eingetreten. Da war ich zu Hause und abends kam ein Anruf vom Theater, wo ich denn bleiben würde. Ich bin dann mit 100 Sachen die Willi–Allee hochgefahren, und als ich dann ankam, hatten sie das Stück schon unterbrochen. Der Vorhang ging schließlich wieder auf und wir spielten ab meinem Einsatz einfach weiter. Da hab ich natürlich böse, böse Blicke von vielen Menschen bekommen, ungefähr so (macht ein ziemlich böses Gesicht). Danach hatte ich dann wochenlang Angst.
Meine zweite Angst habe ich oft geträumt: Ich bin im Theater und finde den Weg zur Bühne nicht und dann stehe ich plötzlich auf der Bühne und kann meinen Text nicht. Auch das kommt vor, dass man den Text vergisst. Dann heißt es natürlich improvisieren (schmunzelt).
Und die dritte vielleicht noch: Dass ich den Einsatz beim Singen mit einem Orchester total vergeige.

Nach einer gelungenen Premiere, was gibt es da eher, Sekt oder Bier?
Beides. Also natürlich wird erstmal angestoßen mit Sekt, logisch. Aber wenn wir dann langsam den Abend einläuten gibt`s dann auch andere Getränke. Spirituosenhaltige Getränke und natürlich auch Bier. (grinst)

Wenn du drei Stücke wählen könntest, welche würdest du am liebsten inszenieren?
Drei? Also ich habe mal West Side Story gespielt. Das ist eins meiner Lieblingsstücke. Ich hab das mit großem Orchester gespielt und das ist einfach was ganz anderes als mit einer kleinen Popelband.
Ansonsten würde ich wahrscheinlich Jesus Christ Superstar mit kleiner Besetzung inszenieren, mich also ganz auf die Geschichte konzentrieren.
Und als drittes irgendein Stück, das es noch nicht gibt.

Beschreib‘ doch bitte einmal das tic in 3 aussagekräftigen Schlagwörtern.
Erfrischend, unterhaltsam (überlegt kurz) und anspruchsvoll

Viele Menschen schätzen die Atmosphäre im Tic. Wie würdest du diese beschreiben?
Naja. Es gibt auch Leute, die Probleme damit haben. Wenn du in der ersten Reihe sitzt und etwas übertrieben vielleicht den Schweiß der Schauspieler auf den Schoß kriegst (grinst), das kann nicht jeder gut ab. Aber nagut, dann setzt man sich das nächste mal eben woanders hin.

Und noch eine typische Frage zum Abschluss: Wo siehst du das Tic in zehn Jahren?
Das hängt natürlich viel von mir selbst ab. Aber ich sehe es nach wie vor hier, und ich sehe es qualitativ noch besser! Insgesamt wird man noch mehr spüren, dass es zu Recht gutes Theater ist und es wird professioneller sein. Wir werden hoffentlich auch nach wir vor gute Ideen haben für Stücke, die wir spielen können.

Homepage des Tic

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