„Die Bürgerinnen und Bürger senden, wir helfen“
Interview mit Armin Ruda, Leiter des Medienprojektzentrums Offener Kanal (So Se 2021)

Foto: Jordan

Von Christina Jordan

Armin Ruda ist Leiter des Medienprojektzentrums offener Kanal in Kassel. Er und sein Team geben gesellschaftlichen Gruppen, Organisationen, Institutionen und Einzelpersonen Gelegenheit, eigene Fernsehbeiträge zu produzieren und zu verbreiten.

Was machen Sie beim Medienprojektzentrum offener Kanal?
Hier können alle Bürgerinnen und Bürger selbst Fernsehen machen und wir haben die Aufgabe sie dabei zu unterstützen. Sei es durch Hilfe oder indem wir die Technik zur Verfügung stellen, mit der man eigenes Fernsehen machen kann. Wir selbst sind kein Programmanbieter in dem Sinne, dass wir senden, sondern die Bürgerinnen und Bürger senden und wir helfen ihnen dabei. Unser zweiter Schwerpunkt ist, durch geeignete medienpädagogische Projekte zu versuchen, den entsprechenden Zielgruppen, meistens Kindern, Jugendlichen, Schülerinnen und Schülern, Medienkompetenz zu vermitteln.

Also sind sie die erste Anlaufstelle für Newcomer in der Medienwelt von Kassel?
Auf alle Fälle. Also für Newcomer, wenn sie einfach selbst eigene Sachen produzieren wollen. Und dann speziell für Schulen oder für Bildungseinrichtungen. Wenn Sie zum Beispiel an uns herantreten, um im Bereich der Medienbildung Angebote wahrzunehmen, können wir Sie dabei unterstützen.

Braucht man Vorkenntnisse, um die angebotenen Kurse zu besuchen?
Einige Kurse bieten wir für Neueinsteiger an, damit diese erste Schritte machen können. Wir bieten auch Kurse für Fortgeschrittene und spezielle Workshops an, z.B. in Schnitt- und Tontechnik. Wir helfen zudem bei jornalistischen Grundfragen. Wir sind auch Ansprechpartner, wenn es um aktuelle Aspekte wie Fakenews geht oder eben auch im medienpädagogischen Bereich.

Wie viele Leute besuchen die Kurse?
Bei Kamerakursen können es zehn Teilnehmer sein, weil wir das parallel mit drei Kameras machen. Dann können die Leute auch selbst gleich etwas ausprobieren. Wegen Corona war seit dem letzten Jahr aber alles nur online möglich. Wir bieten erst ab den Sommerferien (2021) wieder Praxisprojekte hier im Haus an. Bei Onlinekursen können es mehr Teilnehmer sein. Es hängt immer ein bisschen vom jeweiligen Projekt und vom jeweiligen Angebot ab.

Wo kann man sich für die Kurse anmelden?
Für die offenen Kurse kann man sich hier anmelden. Dazu muss man erwähnen, dass alles kostenlos ist. Finanziert wird diese Einrichtung durch die Rundfunkgebühren.

Wie viele Kurse sollte man letztendlich besuchen?
Es hängt immer davon ab, welche Vorkenntnisse man mitbringt.
In den Einführungskursen geht es um die Grundlagen der Kameratechnik. Wenn man feststellt, dass man damit nicht klarkommt, kann man einen weiteren Einführungskurs belegen oder sich spezialisieren. Weitere Kursangebote betreffen Tontechnik, das Führen von Interviews, wann und wie man Musik einsetzt usw. Die Kurse bauen immer ein bisschen aufeinander auf.

Ist es möglich im MOK ein Praktikum als Student zu machen? Ich habe nur etwas von Schülerpraktika gelesen.
Vor Corona hatten wir im Jahr ca 40 – 50 Schülerpraktikanten. Die Nachfrage nach Praktika ist seitens der Studierenden nicht so groß. Wir bieten an der Uni eine eigene Veranstaltung an: “Grundzüge des Videojournalismus”. Das ist ein praxisbezogenes Seminar. Dies gibt es schon seit vielen Jahren und wird immer im Wintersemester angeboten.

Auf welche künftigen Projekte freuen Sie sich jetzt bereits?
Wir bieten Projekte an, die sich mit allen möglichen Themen auseinandersetzen wie etwa Fakenews. Da ist es dann spannend, wenn plötzlich Leute kommen, die eine großartige Idee haben und dazu unsere Hilfe brauchen.
Wir haben jetzt auch gerade mit dem Thema Podcast begonnen. Die sind ja mittlerweile immer populärer geworden. Ich freue mich auf die Podcast-Produktionen, die dann gesendet werden. Es ist ja ein Unterschied, etwas für’s Fernsehen oder für’s Radio zu machen. Das wird also eine der nächsten Herausforderungen sein.